
Tod eines Kriegsreporters
Gilles Jacquier war ein erfahrener Mann! Er berichtete für France 2 schon aus dem Irak, Afghanistan, Kosovo, Libyen, Ägypten und Israel. Er war auch nicht der typische Draufgänger, sondern eher bedächtig und besonnen, wog das Risiko stets ab. Aber Angst hatte er vor nichts! Für seine selbst gedrehten Reportagen erhielt er sogar im Jahre 2003 den Journalistenpreis „Prix Albert Londres“. Er war nicht der Mann für 1:30 Kurzeinspieler, er wollte immer der Sache auf den Grund gehen und wurde so zu einer Legende im französischen Fernsehen. Gilles Jacquier war sehr sportlich und französischer Meister der Skispringer. Seine militärische Ausbildung absolvierte er bei einem französischen Fallschirmjägerregiment.
Umso trauriger ist es, dass er sich in den Hexenkessel Syrien wagte und ausgerechnet dort den Tod fand. Es ist besonders tragisch, dass er nur gefallenheitshalber für einen verstorbenen Kollegen einsprang.
Er machte sich also mit einem weiteren französischen Reporter auf in die Stadt Homs in das heiss umkämpfte Viertel Akrama und fand dort den Tod. Und nun gehen die Meldungen stark auseinander: Das syrische staatliche Fernsehen behauptet einvernehmlich mit dem französischen Aussenministerium , dass die Reporter eine Drehgenehmigung hatten. Das ist völlig verwunderlich, denn der Massenmörder Bashir al-Assad lässt sich nicht dabei filmen, wie sein Militär die Bürger zusammenschiesst. Nur unter dem Druck der arabischen Liga liess er überhaupt die Beobachter ins Land und führte sie tagelang an der Nase herum, bis einige Beobachter entnervt aufgaben und abreisten. Auch wären sonst zumindest Al Jazeera und Al – arabia vor Ort. Die überaus couragierte österreichische Reporterin Antonia Rados hätte es ebenfalls vor nichts gegraust. Sie wagte sich jedoch aus verständlichen Sicherheitsgründen nur in das syrisch – türkische Grenzgebiet, das schon gefährlich genug ist.
Weiter behauptet das syrische Staatsfernsehen ADDOUNIA, dass die Rebellen, angestiftet von ausländischen Geheimdiensten in enger Kooperation mit al-Kaïda, auf die Bevölkerung und die Reporter geschossen hätten. Alleine gestern habe es in Homs acht Tote und 25 Verletzte gegeben. Ausserdem wird behauptet, dass die Menschen von einer Granate getroffen wurden. Auch das ist eine Lüge. Die Menschen wurden von Snipern gezielt erschossen. Es waren auch nicht 8 Tote und 25 Verletzte, sondern 25 Tote und 8 Verletzte! Das alles wirft Fragen auf, die es zu untesuchen gilt. Der Nebel der Desinformation muss beseitigt werden.
In dieser Tragödie ist nur eines klar: Der Kriegsberichterstatter Gilles Jacquier ist tot, ein weiterer französischer Reporter und ein niederländischer Fotograph sind verletzt. Die Bürger von Homs beschuldigen die Häscher von Assad dieses Verbrechens und das staatliche syrische Fernsehen beschuldigt die "eingeschleusten Terroristen" der Taten. Was verwundert ist auch die Tatsache, dass die französische wie auch die syrische Regierung übereinstimmend von einer "genehmigten" Reportage sprechen. Diese Fragen gilt es zu untersuchen! Im Jahre 2011 fanden 69 Reporter weltweit den Tod, im Jahre 2012 ist dies nun schon der zweite tote Journalist. "Die Wahrheit ist ein so kostbares Gut, dass sie von einem Heer von Lügen beschützt werden muss!" (Sir Winston Churchill, Literaturnobelpreisträger)
Wir trauern um einen weiteren toten Kollegen, aber wir sind auch verbittert darüber, dass Europa gegenüber dem syrischen Diktator Bashir al- Assad nicht mit einer Stimme spricht! Niemand verlangt, dass sich Europa militärisch in einen Bürgerkrieg einmischt, was hindert aber die Europäer, ein deutliches Zeichen für die Einhaltung der Menschenrechte zu setzen? Wie? In dem man sämtliche syrischen Botschaften in den europäischen Hauptstädten schliesst und die Botschafter ausweist. In dem man alle europäischen Botschaften in Damaskus schliesst, das Land isoliert und mit Sanktionen belegt. Wo es um das Öl des Iran geht, da ist jedes Mittel recht! Doch welche gemeinsamen Interessen zwischen Europa und dem syrischen Regime gibt es, die noch erhaltenswert wären, ausser den langjährigen engen Verbindungen zwischen den Geheimdiensten?
zu Ehren von Gilles Jacquier die Marseillaise
Rainer Kahni

