Das Märchen von der höheren Steuerlast der Reichen und einer gerechten Einkommensverteilung
In einer aktuellen Meldung des Bankenverbandes will uns man uns glauben lassen, daß die Tatsache, daß das Geld- und Immobilienvermögen der Deutschen bei 10 Billionen € angekommen sei, ein Indikator für den Wohlstand und das Vorhandensein einer soziales ausgewogenen Vermögens- und Einkommensverteilung in unserer Gesellschaft sei. In das gleiche Horn stößt auch der SPIEGEL (ONLINE), die Bildzeitung für den Abiturienten, die täglich ein negatives Beispiel für eine oberflächliche und verfälschende Journaille abgibt. Auch die berüchtigte Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler, der immer vergißt, daß es als Antipol auch eine Guthabenuhr gibt, schlägt stets in die gleich Kerbe.
Wie die meisten Meldungen über den Arbeitsmarkt, die Wirtschaftslage und die Konjunkturdaten oder die Befindlichkeit der Nation werden statistische Werte, die als Einzelzahlen wohl meistens subjektiv richtig sind (es sei denn, an den Bewertungs- und Ausgangskriterien wurde schon manipuliert)
- entweder aus ihrem Zusammenhang gerissen
- als nichtssagende Durchschnittswerte angegeben
- mit anderen Werten verglichen, deren Ausgangslage eine andere ist oder die Berechnungskriterien geändert wurden
- in Grafiken oder anderen Darstellungsformen gezeigt, deren Optik frisiert wurde
- oder es werden sogar ganz bewußt Lügen aufgetischt
Wie immer sticht aus den medialen Schandflecken Joachim Jahnke positiv heraus, in dem er die Fakten für jedermann einsichtig auf den Tisch bringt. Sein heutiger Beitrag entlarvt die Irreführungen aus den einschlägigen Quellen mit seinen aktuellen Grafiken in beeindruckender Form:
global news 2606 16-02-12: Die heutigen Meldungen über die "Vermögensverteilung in Deutschland" führen total in die Irre
(bitte auch Startseite besuchen)
Da meldet der Bankenverband heute, das Geld- und Immobilienvermögen der Deutschen erreiche zehn Billionen Euro. Und prompt setzt SPIEGEL-online, die größte deutsche Internetplattform, als Überschrift "Vermögensverteilung in Deutschland" noch eins drauf. Dabei sind das total pauschalierte Daten, die die Verteilung der Vermögen in Deutschland nicht erkennen lassen, sondern nur zwischen Immobilien, Geldvermögen und Krediten (sprich "Schulden") unterscheiden (Abb. 17235).
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Aus dem Dezember 2012 habe ich noch einen Artikel der Zeit aufgetrieben, der sich mit der ungerechten Steuerpolitik beschäftigt, die u. a. die Grundlage für die ungleiche Vermögensverteilung bildet. Dabei stellt sich z. B. die kuriose Wahrheit heraus, daß in Deutschland Raucher mehr Steuern zahlen als Aktionäre! Auch wird auf andere Auslöser für die ungerechte Lastenverteilung zwischen Armen und Reichen hingewiesen – wie die sozial nicht ausgewogenen Beitragspraktiken in der Sozialversicherung:
Steuerpolitik: Das Märchen von den Reichen
Die Zeit – 12.12.2012
„Es ist eine Legende, dass die Topverdiener den Großteil der Steuern zahlen. Die Masse tut’s.
Die Statistiker vom Wiesbadener Bundesamt interessierten sich neulich für die oberen 383.000. Auf diese krumme Zahl kommt man, wenn man die Zahl aller Steuerpflichtigen durch hundert teilt, um jene ein Prozent zu ermitteln, die am meisten zahlen müssen.
Es handelt sich um lauter Menschen, die mehr als 172.000 Euro im Jahr verdienen. Ihre Zahlungen in die Staatskasse summierten sich im Jahr 2007 zu einem Betrag von 53 Milliarden Euro, das waren 25 Prozent des gesamten Aufkommens an Lohn- und Einkommensteuer.
Ein Prozent der Steuerzahler trägt ein Viertel der Gesamtlast! Mit dieser Botschaft erzeugen die Statistiker, gewollt oder ungewollt, den Eindruck, die Reichen in diesem Land schulterten eine besonders schwere Bürde. Solche Rechnungen sind beliebt. Dass eine Eliteeinheit von Gutverdienern den Staat finanziere, dieses Argument durchzieht seit einigen Jahren die steuerpolitische Diskussion in Deutschland. Aber stimmt es auch? ….“
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Peter A. Weber
