Beim demografischen Wandel handelt es sich schon um ein älteres Thema im KN, das gelöscht wurde, um es in neuer Form zu posten.
Wikipedia verwendet folgende Formulierung für den demografischen Wandel und beschreibt die Bevölkerungsentwicklung wie folgt:
- der Altersstruktur der Bevölkerung,
- dem quantitativen Verhältnis von Männern und Frauen,
- den Anteilen von Inländern, Ausländern und Eingebürgerten an der Bevölkerung,
- der Geburten- und Sterbefallentwicklung,
- den Zuzügen und Fortzügen.
Seit 1972 ist die Sterberate in Deutschland höher als die Geburtenrate. Die Lebenserwartung steigt zwar nicht mehr – im Gegenteil ist bei der ärmeren Bevölkerung eine starker Trend zur Verminderung des durchschnittlichen Höchstalters zu verzeichnen – aber trotzdem zeichnen sich durch diese Entwicklung Probleme ab.
Auf Wikipedia gibt es eine graphische Darstellung wie es in Deutschland im Jahre 2050 aussehen könnte. Dabei sollte man jedoch kritisch hinterfragen, wer sich diese Grafik ausgedacht hat und auf welchen Annahmen sie beruht. Letztlich handelt es sich um nicht anderes als um Kaffeesatzleserei:
(horizontal = Anzahl der Personen | vertikal = Alter)
In diesem Zusammenhang höre ich von vielen Menschen Fragen wie diese:
- Rente: Wer bezahlt später die Rente, wenn es zu viele Rentner und zu wenige Arbeitnehmer gibt?
- Arbeitsplätze: Es wird zwar wahrscheinlich weniger Arbeitslose geben, jedoch auch weniger Fachkräfte.
- Steuer: Durch weniger steuer- und abgabepflichtige Arbeitnehmer/innen bekommt der Staat weniger Geld. Dann müsste er eigentlich sparen. Doch wie oft haben unsere Politiker schon von Sparen gesprochen, es aber nicht hinbekommen?
In diesem Falle muß ich stets auf die sog. Demografielüge eingehen. Denn die sog. demografischen Fakten, die verbreitet werden, sind oft geschönt und stehen im Interesse einschlägiger Politikmachenschaften und der Versicherungswirtschaft:
Demografielüge
Denjenigen, die uns weismachen wollen, daß der Untergang Deutschland durch die demografische Entwicklung besiegelt sei und die Kosten für die entsprechenden sozialen System seien nicht mehr tragbar, sollte man einmal empfehlen, sich mit den folgenden Tatbeständen – die meistens verschwiegen werden – zu befassen:
- fehlende Anpassung der Rentenerhöhungen an reale Teuerungsrate
- Verbreitung von Falschmeldungen bzgl. der wahren Ursachen der schlechten Kassenlage (wahre Gründe sind Ausfälle wegen Arbeitslosigkeit, Lohndumping, Subventionierung der privaten Altersversicherungen, die fehlende Verbreiterung der Einnahmen durch Einbeziehung aller Einkommensarten und die unsoziale Sozialversicherungsfreiheit bei Entgeltumwandlung etc.).
- Berücksichtigung des Produktivitätsfaktors (siehe Anmerkung unten)
- Diffamierung des Renten-Umlagesystems
- Subventionen für private Rentenversicherungen (Riester und Rürup) mehr
- Entgeltumwandlung, die Vorteile für wenige und Belastungen für die Allgemeinheit der Versicherten mit sich bringt, rückgängig machen
- politisch bedingte Eingriffe und Entnahme den Topf der gesetzlichen Rentenversicherung betreffend – auch die unverantwortliche Fehlentscheidung der Streichung von Rentenbeiträgen für Arbeitslose, die ebenfalls der Solidargemeinschaft der Rentenzahler schadet
- sämtliche Maßnahmen, die zu einer verstärkten Vermögensumverteilung von unten nach oben führen. Einkommensschwache Bevölkerungsschichten, die sich keine Privatrente leisten können, werden durch eine derartige Veruntreuung von Volkseinkommen doppelt bestraft.
- Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre, die in der Praxis nichts anderes als eine Rentenkürzung bedeutet.
Die aufgeworfenen Fragen bzgl. fehlender Rentenbeiträge und ausbleibender Steuereinnahmen aufgrund des Bevölkerungsschwundes und der demographischen Verschiebung beantworten sich durch die von mir hergestellten Zusammenhänge von selbst. Der demographische Faktor als Begründung für Rentenabstriche und Verarmung des Staates stellt nur einen Vorwand dar, um zu verschleiern, daß zwar reichlich Kapital für alle nötigen Sozial- und strukturellen Maßnahmen vorhanden sind, die wahre Ursache jedoch in der ungleichen Vermögens- und Kapitalverteilung zu suchen ist.
Das Argument „weniger Arbeits- und Fachkräfte“ erübrigt sich, wenn man berücksichtigt, daß eine kleinere Bevölkerung natürlich auch weniger konsumiert und somit der Arbeitskräftebedarf sich automatisch verringert. Dazu trägt sowieso noch der Rationalisierungsdruck zusätzlich bei.
weitere Anmerkungen zur Demografielüge und zum Produktivitätsfaktor
Lügen werden auch nicht wahrer, wenn man sie tausendmal wiederholt! Die Rente bzw. Rentenfinanzierung wird zu allerletzt vom Demografiefaktor bestimmt. Das Verhältnis Anzahl Arbeitnehmer:Rentner hat sich in den letzten Jahren gar nicht so entscheidend verändert und wird sich in der Zukunft noch weniger verschieben.
Was sich jedoch entscheidend entwickelt hat, ist die Produktivität pro Arbeitnehmer. Diese ist durch den grassierenden technischen Fortschritt mit steigender Automatisierung wesentlich stärker angestiegen als sämtliche Kostenfaktoren – insbesondere was den Kostenfaktor „Mensch“ angeht. Der Kostenfaktor „Maschine“ hat den Menschen ersetzt, aber die dadurch verursachten Kostenvorteile und zusätzlichen Gewinne wurden nur zu einem kleinen Teil an die Arbeitnehmer weiter gegeben. In den letzten 10 Jahren haben sich die Unternehmer und Kapitaleigner praktisch den gesamten Zugewinn einverleibt. Wir produzieren heute mit weniger Arbeitnehmern ein mehrfaches an Gütern als beispielsweise in den 60er oder 70-Jahren, als angeblich der Demografiefaktor noch in Ordnung und die Renten ohne Abstriche finanzierbar waren.
Wir müssen uns deshalb mit Händen und Füßen dagegen wehen, daß die Umverteilung von unten nach oben verstärkt fortgeführt und auch noch von der Politik begünstigt wird. Das hat zur Folge, daß Renten und das gesamte Sozialsystem zugunsten weiterer Zugeständnisse an die Unternehmer unter Inkaufnahme weiterer Altersarmut gesenkt demontiert werden. Wer will dies schon – außer den eigentlichen Profiteuren?
Anhang:
Größe Eheschließungen_Geborene_Verstorbene_1946_2010
Wanderungen_BRD_und_dem_Ausland_1950-2010
Peter A. Weber
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| Eheschließungen_Geborene_Verstorbene_1946_2010.xls | 980.5 KB |
| Wanderungen_BRD_und_dem_Ausland_1950-2010-1.xls | 50 KB |

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